Interview

Kerstin Nyst persönlich

Welche Ziele, Erwartungen und Ambitionen hattest du zu Beginn deiner beruflichen Laufbahn?
Foto: MOPO HH

Am Anfang meines Berufslebens war ich erst einmal nur froh, endlich die Schule hinter mich gebracht zu haben. Ich bin kein Mensch der sich gerne mit der Theorie beschäftigt. Ich will aktiv sein und „machen“. Außerdem wollte ich endlich Geld verdienen, um finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Ich bin nämlich schon während der Schulzeit in eine eigene Wohnung gezogen und musste früh für mich alleine sorgen.

Meine kaufmännische Ausbildung, die eigentlich drei Jahre dauerte, habe ich im Turbotempo in eineinhalb Jahren absolviert. Zum Auftakt meines Arbeitslebens habe noch nicht hauptberuflich in meinem Traumberuf als Journalistin oder Texterin gearbeitet sondern im kaufmännischen Bereich.

Hier kam leider meine kreative Seite viel zu kurz. Aber die habe ich glücklicherweise im Privaten ausleben können. Ich habe eigentlich immer schon geschrieben, gemalt, gezeichnet oder später mit Photoshop und Co. herumexperimentiert. Mit diesen selbst angeeigneten Skills habe ich sogar auch eine Zeit Geld in der virtuellen Welt von Second Life verdient. Dort habe ich Kleidung und andere virtuelle Güter gestaltet und dann verkauft. Aber das ist nun auch schon recht lange her.

Das Ziel, meine Leidenschaft irgendwann zum Beruf zu machen, hatte ich übrigens schon seit früher Jugend vor Augen. In der Schulzeit war ich als Redakteurin in unserer Schülerzeitung aktiv. Die Themen über die ich schrieb, waren oft ein wenig „heiß“. Meine Motivation: Ich wollte Gerechtigkeit, wollte Missstände aufdecken, recherchieren, informieren, publizieren und manchmal auch provozieren. Was mir mit der Schülerzeitung auch gelang. Wegen eines sehr provokanten Artikels stand ich in der Oberstufe auch einmal kurz vor einem Schulverweis.

Gibt es ein berufliches Erlebnis, das dir heute noch peinlich ist?

Oh ja! Ich erinnere mich an zwei Erlebnisse bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz, für die ich mich heute noch schäme aber auch drüber lachen muss.

Ich wollte ja unbedingt in der Medienbranche arbeiten und war in einem großen Verlagshaus zu einem schriftlichen Einstellungstext eingeladen. Den habe ich aufgrund mangelnder Vorbereitung komplett vergeigt. Ich konnte tatsächlich nicht eine einzige Frage beantworten! Klar, dass ich diesen Ausbildungsplatz nicht bekam.

Der zweite peinliche Moment war mein Versagen auf voller Linie bei einem Vorstellungsgespräch in einem Hamburger Musikverlag. Ich betrat den Raum, schüttelte meinem Gesprächspartner die Hand, lächelte charmant und hatte einen Hustenanfall, der ein Gespräch komplett unmöglich machte. Meine Stimme war einfach weg! Nach knapp 30 Minuten gab der Chef schließlich auf und schickte mich mit mitleidigem Blick nach Hause. Auch diese Lehrstelle habe ich nicht bekommen. Komisch oder?

Aber die Peinlichkeiten verfolgen mich gelegentlich noch heute. In meinem letzten Job wurde ich von einem meiner Chefs mit einem Text betraut, bei dem ich leider nicht nur vom Thema sondern auch von der Tonalität und dummerweise auch bei der Grammatik total versagt habe. Im Text fehlten Worte, teils sogar ganze Satzteile und es war zusammenhangsloser Mist, den ich da ablieferte. Über diese Schmach komme ich bis heute nicht hinweg. Zwar lache ich hin und wieder gelegentlich darüber, aber ich schäme mich immer noch in Grund und Boden.

Hast du berufliche Träume?

Damals wie heute ist es mein Traum, irgendwann einmal gut und entspannt von meiner Arbeit leben zu können. Ich würde gerne irgendwann mal etwas „größere Sprünge“ machen können, statt immer „kleine Brötchen backen“ zu müssen. Urlaub, gutes Essen, Wellness – Ein wenig Luxus halt, den sich fast jede Frau wünscht.

Ein Grund übrigens, warum ich nebenberuflich unter meinem Künstlernamen auch noch schreibe. Reich und berühmt bin ich zwar mit meinem ersten Buch leider nicht geworden, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Das zweite Buch ist in Planung. Nur komme ich leider im Augenblick kaum dazu, es weiter zu schreiben. Meine Prioritäten liegen derzeit einfach bei meinem Hauptjob.

Was bewegt und motiviert dich in deinem Beruf?

Ich freue mich jeden Tag über meinen Beruf und auf die Arbeit, die er mit sich bringt. Meine Tätigkeit ist vielseitig, die Herausforderungen bei jedem Projekt neu. Ich kann kreativ sein, in ganz unterschiedlichen Stilen und Tonalitäten schreiben. Die Anforderungen für jeden Text, den ich schreibe, sind vielfältig. Die Themen unterschiedlicher Natur. Ich schreibe also nicht immer nur dasselbe, sondern fühle mich in jedes Thema und in jeden Kunden hinein, recherchiere und passe meine Arbeit entsprechend an.

Das Schreiben und die Kombination mit meinem organisatorischen Talent im Musikmanagement macht es aus, dass ich mit Überzeugung behaupten kann, jetzt endlich angekommen zu sein.  Ich bin gefordert und zugleich ausfüllt.

Außerdem freue ich mich darüber, dass meine Arbeit von Kundenseite sowie von meinen Künstlern immer eine gewisse Wertschätzung erhält. Das war nicht in jedem Unternehmen so, in dem ich tätig war. Mein Gehalt habe ich früher daher auch manchmal scherzhaft „Schmerzensgeld“ genannt.

Mit welcher Persönlichkeit würdest du dich gerne mal zum Essengehen treffen und worüber würdet ihr sprechen?

Ich bezeichne mich selber gerne scherzhaft als Misanthrop. Große Namen, einflussreiche Personen oder Prominente interessieren mich nicht wirklich. Das war schon früher so, als ich noch beim Fernsehen gearbeitet habe und ständig irgendwelche Stars bei uns in den Sendungen zu Gast waren. Beruflich bin ich damit einfach professionell umgegangen. Freundlich aber distanziert eben, weil sie mich nicht nachhaltig beeindruckt haben. Sie hinterließen keine Spuren bei mir.

Aber zurück zur Frage:
Ich habe vor einiger Zeit einen Bekannten aus meiner Jugendzeit wiedergetroffen. Damals habe ich diesen Mann aus der Ferne fast jedes Wochenende beim Ausgehen angehimmelt. Ich hielt ihn jedoch für ein einfaches Gemüt und mich nicht für attraktiv genug, als dass er sich näher für mich interessieren könnte.

Bei unserem Wiedersehen nach all den Jahren hatten wir einen sehr schönen Abend mit intensiven Gesprächen über die Liebe, das Leben an sich, über Politik und prägende Erlebnisse in den letzten Jahren. Durch diese Offenheit bekam ich ein völlig anderes Bild von ihm. Er zeigte sich mir gegenüber so menschlich und verletzbar. Der Abend hat mich nachhaltig beeindruckt. Ja, diese „Persönlichkeit“ würde ich sehr gerne noch einmal zum Abendessen treffen.

Gibt es einen prägenden Moment oder ein Erlebnis in deinem bisherigen Berufsleben?

Ja, zwei sogar. Einmal ein heftiges Burnout nach sieben Jahren beruflicher Tätigkeit in der Fernsehbranche. Da war mein Akku einfach komplett leer. Nachdem ich mich davon erholt habe, gab es Jahre später noch ein schlimmes privates Erlebnis, das mich sehr geprägt hat. Rückblickend bin ich jedoch davon überzeugt, dass ich ohne diese Tiefpunkte nicht der Mensch wäre, der ich heute bin. Und deswegen bin ich auch für diese negativen Erlebnisse dankbar.

Diese beiden schmerzhaften Phasen haben mein Leben – trotz ein paar Kollateralschäden – schließlich in komplett neue Bahnen gelenkt und mich positiv verändert. Ich gehe heute gestärkt, viel bewusster, glücklicher und zufriedener durchs Leben und genieße jeden Tag. Und ich habe gelernt, authentisch zu sein. Mir sind Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit sehr wichtig geworden – beruflich wie auch privat. Ich mache da keinen Unterschied mehr.

Andere sagen über dich, du bist:

Verhaltensoriginell, direkt, lebendig, tough, empathisch, positiv frech, kreativ, laut, alltagsdominant, authentisch, humorvoll, ein wenig irre aber intelligent.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.